Arbeit ist eine Glaubensfrage

Hintergrundwissen zu Mitarbeiter und Personal aus der HEINZL Firmengruppe

Experte Horst Mayer über den Fachkräftemangel und Fehler in der Integrationspolitik

Horst Mayer ist Geschäftsführer der CH Consulting & Handels Gmbh sowie von der LHP Dienstleistungs- u. Bildungsgesellschaft mbH – beide Töchter der HEINZL Firmengruppe von Christian Heinzl. Das Unternehmen ist auf Recruiting von Facharbeitern in der Automobil- und Metallindustrie sowie in Handwerker-Branchen spezialisiert. Als Quereinsteiger nützt Mayer seinen technischen Hintergrund, um passende Fach- und Führungskräfte zu finden. Die Hochkonjunktur sorgt für entsprechende Nachfrage. In unserem Blog spricht er über den offenkundigen Fachkräftemangel, die Auswirkungen der Migrationswelle und seine Ratschläge an die Politik.

 

Herr Mayer, wie beurteilen Sie als Vermittler von Fachkräften die aktuelle Wirtschaftslage?

Der deutsche Wirtschaftsmotor brummt, wir spüren die gute Auftragslage. Die Stimmung ist sehr gut. Wir jammern auf hohem Niveau. Der Mitarbeitermangel ist in allen Bereichen erkennbar. Vor allem in der technischen Branche ist die Nachfrage am größten. Dort fehlen die Fachkräfte – das ist aktuell ein Knackpunkt für die deutsche Wirtschaft.

 

Wodurch ist personelle Not bedingt?

Firmen suchen gut qualifizierte Mitarbeiter und das ist natürlich auch unser Anspruch in der Heinzl Firmengruppe. Alleine im Inland können wir das nicht abbilden. Wir suchen daher vor allem auch in Osteuropa nach Fachpersonal mit guten Deutschkenntnissen. Die Hoffnung auf eine qualifizierte Zuwanderung im Zuge der Flüchtlingsbewegung war auch groß. Aber eine ebenso große Illusion.

 

Damit sind wir bei einem derzeit sehr aktuellen Thema – Migration und die deutsche Wirtschaft. Funktioniert die Integration am Arbeitsmarkt?

Für die öffentliche Stimmung ist es wichtig, die zugewanderten Menschen gut zu integrieren. Noch viel wichtiger ist, dass wir uns ausreichend um diese Leute kümmern und sie am Arbeitsmarkt integrieren. Der ideale Weg ist ein Einstieg in Helferjobs oder als Produktionshelfer. Darauf kann eine Spezialisierung aufbauen. In der Realität ist das anders. Wir haben eine viel zu hohe Ausfallsquote – in manchen Betrieben beträgt diese um die 90%. Das Bemühen bei den Unternehmen ist vorhanden, die Vorbereitung bei den Migranten aber mangelhaft. Und das ist nicht ihre Schuld. Die Menschen werden nicht ausreichend vorbereitet. Gerade die Überwindung der kulturellen Hürde ist der Schlüssel zur Integration.

 

Wo sind die kulturellen Unterschiede zu finden?

Die Mentalität der Migranten passt oft nicht in unsere Arbeitswelt. Die Einstellung zur Arbeit ist eine Glaubensfrage. Das haben wir erst kürzlich im Ramadan gesehen. Die Menschen waren oft so geschwächt, dass sie nicht wirklich arbeitsfähig waren. Hier sind Konflikte vorprogrammiert. Wir haben selbst viel versucht, aber eine Bauchlandung erlebt. So können wir die Integration in die Arbeitswelt und in die Unternehmen selbst nur schwer zu Stande bringen.

 

Scheitert es auch an der Sprache?

Die Sprachkompetenz der meisten Zuwanderer ist ok. Hier funktionieren die Programme und das ist gut so. Integration darf sich aber nicht nur über die Sprache definieren. Vom ersten Tag weg müssen wir die deutsche Mentalität weitergeben – hier dürfen wir keine Kompromisse machen. Die Institutionen müssen mit den Leuten arbeiten und schauen, dass sie sich weiterentwickeln. Und vielmehr: den Willen haben, sich ständig weiterentwickeln zu wollen. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Wenn Arbeiter aus Ungarn oder Rumänien zu uns kommen, dann müssen wir ihnen ganz genau mitteilen, was auf sie zukommt und worauf sie sich einstellen sollen. Wir kommunizieren die von Ihnen erwarteten Leistungen klar.

 

Was wäre ihr Ratschlag an die Politik?

Wir kommunizieren den Zuwanderern zu wenig, was es bei uns für eine gute Integration braucht. Daher sind sie nicht gut genug für den Arbeitsmarkt vorbereitet. Wir müssen den Menschen daher frühzeitig unter die Arme greifen und sie richtig anleiten. Auch in Bezug auf unsere Arbeitswelt. Wir benötigen dringend Fachkräfte und vor allem Menschen, die sich dazu ausbilden lassen wollen. Bei der Grundbildung liegen aktuell oft Welten zwischen dem deutschen Standard und dem Wissensstand der Migranten.

 

Welche Rolle spielt unser Bildungssystem im Fachkräftemangel?

Ich denke, unser Bildungsystem funktioniert zu großen Teilen. Was wir aber merken: junge Menschen wollen ein hohes Bildungsziel erreichen, also ein Abitur oder einen Studienabschluss. Das ist einerseits gut so, andererseits blutet damit das Handwerk aus. Viele übersehen, dass diese Sparte ordentlich bezahlt ist und es sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. Wir brauchen ein besseres Bewusstsein dafür und mehr Einsatzwille. Das Handwerk ist durchaus ein Türöffner. Man kann sich sehr gut weiterentwickeln, wenn man das will.

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