Hintergrundgespräch mit Wolfgang W. Bosbach – Teil 2

Klar in der Sache, moderat im Ton

HEINZL Firmengruppe – Wissen und Hintergründe

Der Politiker und Rechtsanwalt Wolfgang W. Bosbach war bis 2017 Mitglied des deutschen Bundestages.  In Teil 2 seines Interviews mit der HEINZL-Firmengruppe spricht er über seinen Talkshow-Auftritt, preußische Tugenden und seine Pläne für die nahe Zukunft.

In Teil 1 des Gesprächs wurde das Migrationsthema behandelt. Dazu noch eine wesentliche Frage: Wo braucht die Gesellschaft Ihrer Meinung nach mehr Courage?

Probleme ignorieren und tabuisieren vergrößert sie nur. Aus diesem Grund müssen kritische Themen im Bereich Zuwanderung und Integration ganz offenen angesprochen und diskutiert werden.

Wenn Sie eine Sache in der deutschen Politik sofort ändern könnten – was wäre das?

Eine Steuerreform, die sich ihren Namen auch wirklich verdient hat. Zudem sollte sie das Ziel anstreben, einfacher, transparenter und gerechter zu werden.

Noch einiger persönliche Fragen: Wie haben Sie sich immer wieder neu für schwierige Themen in Ihrer Arbeit motiviert?

Mit der sogenannten preußischen Tugend: Jeden Tag sein Bestes geben, ständig neu dazulernen, niemanden enttäuschen und schlussendlich der Verantwortung gerecht werden. Eine ganz altmodische, die sich aber immer wieder durchsetzt.

Wie beurteilen Sie nach gut einem Jahr den Twitter-Hype zu Ihren Talkshow-Auftritt?

Das variiert. An dem einen Tag mit Freude, an einem anderen mit Schmunzeln und Kopfschütteln. Sobald eine Sendung jedoch vorbei ist, gehe ich unverzüglich zur Tagesordnung über.

Wie muss sich unsere Diskussionskultur ändern – braucht es eine andere Kultur in politischen Auseinandersetzungen?

Ich halte es mit dem Motto: Klar in der Sache, moderat im Ton. In den letzten Jahren tendierten wir zu einer Dramatisierung von sogar schlichten Themen. Das führte zu einer Härte in der Sprache, welche mir fremd ist.

2017 haben Sie Ihre Arbeit im deutschen Bundestag beendet – welche Ziele haben Sie sich für Ihren neuen Abschnitt vorgenommen?

Ich habe beruflich und politisch sehr gut zu tun. Mehr muss aber nicht mehr sein. In der Zukunft möchte ich mir persönlich weniger Ziele setzen und das Leben mehr genießen, als das zuvor möglich war – Carpe Diem.

Was war ein denkwürdiges Ereignis in Ihrer Laufbahn, an das Sie sich gerne zurückerinnern?

Puh, da gibt es wahnsinnig viele. Beispielhaft erinnern darf ich an die Rede des Hl. Vaters Papst Benedikt im Bundestag, die dramatischen Ereignisse vom 11. September 2001 und meine vielen, sehr persönlichen Gespräche mit meinem Büronachbar Helmut Kohl.

Was macht den Menschen Wolfgang Bosbach persönlich aus?

Ich bin ein Junge aus dem Leben. Von meiner Lebenseinstellung her 100% Rheinländer, beruflich jedoch 100% Preuße.

Was ist ihr nächstes Projekt?

Meinen Wagen aus der Werkstatt holen. Der hat in den letzten 14 Tagen dort mehr als in meiner Garage gestanden – und das im automobilen Hightech Land Deutschland. Wo gibt es denn sowas!?

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