Experteninterview mit Wilhelm Hager zum Thema Wohnbau und Ferienimmobilien – Teil 1

„Ohne leistbaren Wohnraum keine Fachkräfte und umgekehrt.“

Wilhelm Hager spricht über bezahlbaren Wohnraum und dessen Entwicklung in Vorarlberg und Österreich

Wilhelm Hager ist planender Baumeister und geschäftsführender Gesellschafter der Hager Plan GmbH in Vorarlberg, Österreich sowie der trimana AG in Ruggell, Lichtenstein. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in zahlreichen Projekten unterschiedlichster Größenordnung, ist Hager Experte in den Dienstleistungsbereichen Architektur, Bauträger und Generalunternehmer.
Dank der Partnerschaft zwischen der Trimana AG und der HEINZL Firmengruppe, arbeiten Wilhelm Hager und Christian Heinzl auch gemeinsam erfolgreich an diversen Projekten. Im ersten Teil des Experteninterview gibt Wilhelm Hager Einblicke in die Thematik bezahlbarer Wohnraum und die Entwicklung in Vorarlberg und Österreich.

 

Wie sehen Sie das aktuell heiß diskutierte Thema Wohnraumproblematik und den Mangel an bezahlbaren Wohnraum?

Die aktuelle Situation ist katastrophal. Dies beginnt beim Erwerb eines Grundstückes: Aufgrund der Einführung der Immobilienertragsteuer mit einem mittlerweile erreichten Steuersatz von 30% haben sich die Grundstücke entsprechend verteuert. Diese Steuersätze könnten von den Kommunen mit entsprechenden Baunutzungszahlen in den Bebauungsplänen zwar zum Teil ausgeglichen werden, doch leider stellen wir immer wieder fest, dass Baunutzungszahlen wie in Stein gemeißelt erscheinen müssen. Es ist wenig bis gar keine Luft seitens der Bau- und Gestaltungsausschüsse möglich. Aus unserer Sicht werden diese Baunutzungszahlen als Dogma gebetsmühlenartig wiederholt und sind indiskutabel.
Zudem frisst die Bürokratie zur Erlangung eines Baubescheides Unmengen an Zeit und Geld. Es wird eine Vielzahl an Gutachten eingefordert, die Mühlen des Gesetzes mahlen allerdings viel zu langsam und gründlich. Beispielsweise werden Energieausweis für ein Gebäude in seitenlangen Formaten erstellt, anstelle sich mit dynamischen Prozessen im Energiehaushalt eines Gebäudes oder vielmehr eines Gebäudenutzers auseinanderzusetzen. Über kurz oder lang werden sich nur die Rechtsanwälte mit dieser Bürokratie befassen.
Unsere Vorfahren waren im Stande Gebäude zu errichten, die ohne diese ganzen Umstände auskamen und trotzdem ein sehr gesundes Raumklima hatten. Laut unserer gesetzlichen Lage werden die Häuser wie wild gedämmt, sodass dann die Bauteile mit Dampfsperren und ähnlichem abgeklebt werden müssen, damit die Bauphysik überhaupt noch funktioniert. Wir zwingen die Menschen dazu letztlich in einem Nylonsack zu wohnen. Es werden sogenannte „Nullenergiehäuser“ errichtet, bei welchen die Nutzer Bedienungsanleitungen für den Betrieb ihres Hauses benötigen. Ein Gebäude nach dynamisch angesetzten Parametern zu bewerten bzw. zu bauen, ist mit der gesetzlichen Lage heutzutage nicht mehr möglich.
Die gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Aushubdeponien und Kiesgewinnungen steuern zu dieser Situation ebenfalls bei. Seitens der Politik werden immer größere Anforderungen an Tiefbauunternehmen gestellt, welche sich selbstverständlich auch auf die Kosten auswirken.
Diese Liste könnte noch weiter fortgesetzt werden. Die Einsparungspotentiale wären auch ohne Abzug an Qualität vorhanden, erfordert aber die nötige Bewegung seitens der Politik.

 

Wie wirkt sich diese Wohnraumproblematik auf den Arbeitsmarkt und den aktuell herrschenden Fachkräftemangel aus?

Ohne leistbaren Wohnraum keine Fachkräfte und umgekehrt – dies ist ein Teufelskreislauf. Wie es scheint, sind wir in der DACH-Region nicht mehr im Stande Fachkräfte zu kreieren. Die junge Generation wird dahingehend erzogen, sich nicht als Handwerker sondern als Student zu positionieren. Gerade im Baugewerbe sind die handwerklichen Fachkräfte größte Mangelware. Aus meiner Sicht wäre es sehr sinnvoll, wenn ein Studium erst nach Abschluss einer Lehre gemacht werden kann. Dieser Praxisbezug ist dann auch für den Studierenden von großem Vorteil.
Fazit: Es werden sehr viele Fachkräfte benötigt und diese kosten dementsprechend Geld. Das wirkt sich wiederum auf den ohnehin schon teurer gewordenen Wohnraum aus. Dies kann auch Christian Heinzl mit seiner Erfahrung in diesem Bereich bestätigen.

 

Welche Zukunftsprognose können Sie zur Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum, speziell in Vorarlberg und Österreich, abgeben?

Für mich ist in erste Linie der Gesetzgeber in seiner Verantwortung gefragt. Gesetze, Normen und Verordnungen müssen sinnvoll abgeschafft oder überarbeitet werden.

 

Welche Maßnahmen setzt die Hager Plan GmbH und die trimana AG um die Zukunftsaussichten zu verbessern?

Wir sind jederzeit zu Gesprächen mit den entsprechenden Stellen offen und bringen unsere Erfahrung und Meinung sehr gerne ein – allerdings muss es ein Gespräch unter Experten und auf Augenhöhe sein.

 

Welche Wohnbauprojekte wurden kürzlich durch die Hager Plan GmbH und die trimana AG umgesetzt und welche sind in Planung?

Unser Fokus liegt im leistbaren Wohnbau. Unsere Lösung – unter den gegebenen Umständen – ist der Reihenhausbau mit entsprechender Verdichtung und natürlichen Baumaterialien.
Wir haben den Reihenhaustyp bereits zweimal erfolgreich in Feldkirch umgesetzt. Das Feedback der neuen Eigentümer, in den mit Holz errichteten Reihenhäusern, ist sehr gut. Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Haustyp den Familien ein Produktbieten können, welches preislich unter dem normalen Wohnbau liegt. Zudem ist die Wohnqualität aufgrund der Baumaterialienwahl und des eigenen Gartens für jedes Haus sehr hoch.
Aufgrund der hohen Nachfrage für diesen Haustyp, haben wir bereits wieder schöne Grundstücke in Vorarlberg gefunden. Die Umsetzung wird im kommenden Jahr erfolgen.

 

(v.l.) Wilhelm Hager, Marius Cerha, Dieter Furtenbach, Christian Heinzl

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